In einigen Videos von #allesdichtmachen wurde das Narrativ einer angeblich "gleichgeschalteten" Presse verbreitet. Das hat mich immens geärgert, denn ich bekomme regelmäßig Drohungen von Leuten, die solche Geschichten glauben und meinen, ich sei Teil einer Verschwörung. (1/x)

Teilweise heißt es da, ich wirke ja ganz nett, aber "die da oben" würden mir ja sagen, was ich in Interviews zu sagen hätte... Kritik wird regelmäßig kurzerhand zum Teil der Verschwörung erklärt – eine ganz billige Strategie um sich mit Gegenargumenten nicht befassen zu müssen.

Kritik, die ich äußere muss mit so einem Weltbild quasi nicht mehr ernst genommen werden, weil ich "das ja sagen muss". Mir wird jegliche eigene Entscheidung abgesprochen. Ich werde nicht als eigenständige Person gesehen, sondern bin plötzlich "Agentin" der "gesteuerten Presse".

Und da gibt es noch ein Problem mit diesem Framing: Es verdreht die Fakten. Ich weiß nicht hinter welchem Mond man leben muss, um all die Diskussionen und Kontroversen zur Pandemie in den letzten Monaten nicht mitbekommen zu haben. Also wenn wir über etwas ausgiebig...

... diskutiert haben, dann sicherlich über die Genauigkeit von PCR-Tests, das schwedische Modell und Risiken einer Herdenimmunität-Strategie. Die Bild-Zeitung teilt seit Wochen gegen einen Lockdown aus. Es ist doch keineswegs so, dass alle immer alles abnicken. Das stimmt nicht.

Das Narrativ einer angeblichen Medienverschwörung immunisiert nicht nur gegen Kritik. Gleichzeitig können sich die Verbreiter selbst massiv aufwerten. Sie sind schließlich die "mutigen", die sich als einzige trauen, etwas "dagegen" zu tun.

Meine Wahrnehmung ist, dass sich einige Medienhäuser sehr leicht durch solche Vorwürfe triggern lassen. Dabei ist es total legitim keine Interviews mit Verschwörungsideologen mahcne zu wollen, die seit Jahren Falschmeldungen verbreiten. Das ist keine seriöse Quelle.

Wenn rennommierte Wissenschaftler auf Grundlage von Studien mehrheitlich zu einer sehr klaren Empfehlung kommen ist es doch nicht Aufgabe von Medien zwanghaft nach Außenseiter-Meinungen in der wissenschaftlichen Community zu suchen und diese gleichwertig abzubilden.

Man behauptet, man setze sich für "Pressefreiheit" ein, eigentlich geht es aber um das Gegenteil: Man will Journalistinnen vorschreiben, was sie gefälligst zu berichten haben, nämlich: Wissenschaftliche Minderheitenmeinungen sollen als gleichwertig aufgebauscht werden.

Darum finde ich esnicht richtig, diese Aktion als "überspitzte Satire" abzutun. Da wurde sehr viel in eine große Öffentlichkeit getragen, was auch in einschlägigen Telegram-Gruppen zum Weltbild gehört. Kein Wunder, dass der Applaus aus dieser Ecke besonders laut ist.

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@kattascha
Der in diesem praktischen weil einfachen und geschlossenen Weltbild ist ja, dass man sich im Zirkelschluss mit Deiner gar nicht erst auseinander setzen muss - denn als Teil einer |en musst Du das ja quasi sagen! 😉
Originell ja auch das Erstauen, dass das eigene Video nicht einfach verschwindet, nachdem man sich davon distanziert hat. Kennen den nach so vielen Jahren immer noch nicht? 🤔
🤦‍♂️

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